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*Michel*

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Michel wird 50!
Astrid Lindgren - oder "Wie geht es eigentlich Michel aus Lönneberga"?
    

09. Mail 2013   Essay zu "Michel aus Lönneberga" ein Kinderbuch von Astrid Lindgren, 1973 erstmals erschienen in deutscher Fassung, Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg.

Kinderbuchliteratur wird oft mit der Absicht geschrieben, Kinder zu unterhalten. Es geht aber auch darum, Kinder zu beeinflussen und zu erziehen. In diesem Sinne spiegeln alle Kinderbücher den Geist ihrer Zeit und erzählen etwas über Umgang mit Kindern in einer bestimmten Dekade.


Astrid Lindgren: international erfolgreich und auf der Seite der Kinder

Astrid Lindgren gehört zu den bekanntesten Kinderbuchautoren - weltweit hat sie über 140 Millionen Bücher verkauft. "Michel aus Lönneberga" ist neben "Pippi Langstrumpf" eines ihrer bekanntesten Werke. 1978 wurde ihr als erster Kinderbuchautorin der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Anläßlich der Preisverleihung hält Astrid Lindgren eine eindrucksvolle Rede, die zeigt, dass ihr der gewaltfreie Umgang mit Kindern am Herzen liegt.

In dieser Rede sagt sie: "Aber wohl erst in unserem Jahrhundert haben Eltern damit begonnen, ihre Kinder als ihresgleichen zu betrachten und ihnen das Recht einzuräumen, ihre Persönlichkeit in einer Familiendemokratie ohne Unterdrückung und ohne Gewalt frei zu entwickeln." 1

In diesem Sinne steht Astrid Lindgren für die Rechte der Kinder ein und für den Respekt vor ihrer Individualität. Ihre Literatur markiert eine Wende im Umgang mit Kindern.


Michel aus Lönneberga: "Ojemine, was für ein Kind"

Trotzdem schreibt sie mit "Michel aus Lönneberga" eine Geschichte, die dazu mehr oder minder im Kontrast steht. Für mich ist es ein Buch, das beides zeigt: die Individualität und Kreativität eines Kindes - aber auch die Verständnislosigkeit und Härte der Erwachsenen im Umgang mit diesem Kind.

Worum geht es in "Michel aus Lönneberga"? Im Prinzip wird beschrieben, wie Michel bei den Erwachsenen, die ihn umgeben, nicht "landen kann". Seine Ideen und kindlichen Strategien lösen auf der Seite der Erwachsenen meistens negative Bewertungen, Unverständnis und Wut aus.

"Ojemine, was für ein Kind" - so sagt es uns die Autorin durch die Figur der Lina.


Raum für Wertschätzung, Ruhe und Offenheit? Fehlanzeige

Michels Vater ist oft wütend auf Michel - er hat eigentlich keinen Raum dafür, seinem kleinen Sohn mit Wertschätzung, Ruhe und Offenheit zu begegnen. Seine Gefühle von Ablehnung und Ärger ziehen sich durch die ganze Geschichte.

Aber nicht nur Michel betrifft die Wut des Vaters. Auch Michels Mutter zeigt Angst vor den emotionalen Reaktionen ihres Mannes, wenn sie Michel "vorsorglich" im Schuppen versteckt, damit der Vater ihn nicht findet.


Michel und seine Mutter

Michels Mutter spielt insgesamt eher eine Nebenrolle. Eine Szene von guter Nähe und liebevollem Miteinander zwischen Mutter und Sohn wird nicht beschrieben.

Kann sich Michel bei seiner Mutter gut und sicher fühlen? Ich weiß es nicht. Die wirklichen Fragen könnten lauten: Warum läßt es die Mutter zu, dass ihr Kind immer wieder allein in einem Schuppen sitzt? Was macht sie in dieser Zeit?


Geht es um den lebenslustigen Michel?

Man könnte meinen, im Mittelpunkt der Story stünde der lebenslustige Michel. Aber in Wahrheit scheint es eher darum zu gehen, dass Michel wenig einfühlsam "erzogen" wird; und in dieser Erziehung geht es darum, aus Michel einen "kleinen Erwachsenen" zu machen, der nicht mehr aus der Reihe tanzt. Die Leser erfahren nur sehr wenig dazu, wie es Michel damit geht, dass er als "unmögliches Kind" gilt und immer wieder abgelehnt wird.

Nur an einer Stelle wird erzählt, dass Michel sich weinend an den Vater wendet, um dessen Verständnis zu erhalten. Er bekommt es nicht - statt dessen muss er zur Strafe in den Schuppen.


396 miese Tage

Innerhalb des Buches soll es lustig wirken, dass Michel in diesen Strafzeiten insgesamt 396 (!) Holzfiguren schnitzt. In Wahrheit stehen die 396 Holzfiguren wahrscheinlich eher für 396 miese Tage im Leben eines begabten Kindes. 396 Situationen, die von Michels Seite mit kindlicher Kreativität, Lebenslust und Tatendrang begonnen haben - und in völliger Frustration endeten.


Ein bißchen Schnickschnack hier und da verschleiert ...

Die gesamte "Michel aus Lönneberga" Erzählung wird dann noch mit allerlei kleinen und größeren Begebenheiten geschmückt - so reitet Michel auf einem Pferd durch ein Festessen - wahrscheinlich, damit nicht allzu deutlich wird, dass Michel im Grunde ein unverstandenes und auch ein alleingelassenes Kind ist, das sich beständig selbst emotional regulieren muß (nämlich im Schuppen).


Scheinbar harmlos und heiter

"Michel aus Lönneberga" steht aus meiner Sicht exemplarisch für eine schwierige Kindheit - aber alles kommt ganz harmlos und heiter daher; erzählt wird aus der Perspektive und Gefühlslage von Erwachsenen.

Es ist befremdlich, dass gerade diese Geschichte von Astrid Lindgren erzählt wird, einer Autorin, die sich wirklich für Kinder einsetzen möchte.

Vielleicht trifft sie mit ihrer Literatur genau den Zeitgeist: Einerseits dürfen Kinder erstmals großartig und unangepaßt sein, wie Pippi Langstrumpf, andererseits treffen sie auf das Unverständnis und den Ärger ihrer Eltern, wie Michel.

In diesem Sinne ist "Michel aus Lönneberga" mehr als ein veraltetes Kinderbuch: Es spiegelt die Widersprüche in der Erziehung einer ganzen Generation.

Was würde Michel heute selbst sagen? Das würde mich sehr interessieren.

Happy Birthday, Michel!



Lieben Gruß von
Eve Lebensfreude

Eve Lebensfreude Link zur Rede von Astrid Lindgren anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels (1978) in der Frankfurter Paulskirche: "Niemals Gewalt!"
QUELLE: Internet, ZEIT ONLINE.

(Es handelt sich um ein Angebot von ZEIT ONLINE. Beim Klick auf die Rede verlassen Sie diese Webseite. Hinweis: Zwischen ZEIT ONLINE und Eve Lebensfreude besteht keine vertragliche Vereinbarung. Auf das Angebot wird aus redaktionellen Gründen hingewiesen.)






Hinweis
Diese Gedanken sind nur als Anregungen zu verstehen. In konkreten eigenen Lebenssituationen musst Du für Dich selbst entscheiden. Du selbst kennst Deine Situation am besten - Du kannst die beste Lösung für Dich finden. Bei bedrückenden Problemen ist es gut, wenn Du Dir Hilfe holst und/oder mit Vertrauenspersonen Deiner Wahl sprichst.
    
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